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1.08.14

Auseinandersetzungen in Israel und Palästina

Mit einem Rundschreiben wendet sich der Vizepräses der EKiR, Christoph Pistorius, am 1. Aug. 2014 an die rheinischen Kirchenkreise, Gemeinden und Gemeindeglieder.

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Pfarrerinnen und Pfarrer,
liebe Schwestern und Brüder,
die aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen in Israel und Palästina bewegen viele Menschen in unserem Land und in unseren Gemeinden. Die politischen Beurteilungen sind – auch innerhalb unserer Kirche – unterschiedlich und sehr differenziert.

Ich halte es jedoch für unsäglich, wenn im Rahmen dieses Diskurses antisemitische Gedanken gegenüber Jüdinnen und Juden und Israel wieder laut werden und diese auf diesem Wege wieder gesprächsfähig werden sollten. Die Brandanschläge auf die Wuppertaler Synagoge, Drohungen gegen jüdische Einrichtungen, die Bedrohung von jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern und andere antisemitisch motivierte Vorkommnisse auch auf dem Gebiet unserer Landeskirche erschüttern und entsetzen mich.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Dr. h.c. Nikolaus Schneider hat in einem offenen Brief an den Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann unmissverständlich deutlich gemacht, dass die Evangelische Kirche jede Form von Antisemitismus und Rassismus aufs schärfste verurteilt.
http://ekd.de/presse/pm142_2014_rv_verurteilt_antisemitische_proteste.html

Ich möchte alle evangelischen Christinnen und Christen in unserer Landeskirche auf den Brief des Ratsvorsitzenden an den Zentralrat der Juden hinweisen, den ich mir in meiner Funktion aber auch persönlich zu eigen mache. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Menschen das Anliegen des Briefes unterstützen. Die Landessynode unserer Evangelischen Kirche im Rheinland hat mit ihrer wegweisenden Synodalerklärung von 1980 (Erklärung zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden) und nach intensiven Beratungen auf allen Ebenen unserer Kirche in der Ergänzung der Grundartikels I unserer Kirchenordnung eine klare Position bezogen. So gilt für uns: „Sie (die Evangelische Kirche im Rheinland) bezeugt die Treue Gottes, der an der Erwählung seines Volkes Israel festhält. Mit Israel hofft sie auf einen neuen Himmel und eine neue Erde.“ Dies beschreibt eine Grundhaltung, die für uns als Kirche unaufgebbar ist.

„Es geht uns als Kirche bei der Überwindung antisemitischer Äußerungen und Taten in gleicher Weise um demokratische Rechtsstaatlichkeit, um das Grundrecht der Menschenwürde, um Gehorsam gegenüber Gottes Wort und um das Bekenntnis zu unserem Herrn Jesus Christus.“ So formuliert die Arbeitshilfe der Evangelischen Kirche im Rheinland zum Thema ‚Antisemitismus‘ aus dem Jahr 2006, die ich Ihnen für weitere Informationen sehr empfehle:
http://www.ekir.de/www/downloads-archiv/ekir2007antisemitismus.pdf

Ich bitte Sie, in Gottesdiensten, bei Gemeindeveranstaltungen und in Gesprächen allen Äußerungen und Gedanken von Antisemitismus zu widersprechen. Der Israelsonntag am 10. Sonntag nach Trinitatis (24. August 2014) bietet im Rahmen unseres Kirchenjahres eine weitere Möglichkeit, jeder Form von Antijudaismus und Antisemitismus eine Absage zu erteilen. Ferner bitte ich Sie, den Kontakt zu den jüdischen Geschwistern vor Ort zu suchen und unserer Solidarität Ausdruck zu verleihen. Bitte nehmen Sie die Menschen in Israel und Palästina und die Bitte um den Frieden in ihr Gebet auf.

Mit freundlichen Grüßen – auch von Präses Manfred Rekowski
i.V. Christoph Pistorius