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9.04.20

Superintendent Jürgen Buchholz zu Karfreitag und Ostern 2020

Liebe Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder!

Seit gut einem Monat leben wir nun hautnah mit der Corona-Krise. Ich erfahre das wie eine „unwirkliche Wirklichkeit“:
- Lauter Einschränkungen, soziales Distanzieren, Wegbrechen der alltäglichen Routinen und ich verbringe mehr Zeit zu Hause, erlebe herrliches Wetter und einen wunderbaren Frühling.
- Mein Leben geht weiter und mitten unter uns und an anderen Orten der Welt sterben viele Menschen an oder mit dem Virus.
- In unseren Gemeinden fällt fast alles aus. Gottesdienste und besonders Beerdigungen und seelsorgliche Begegnungen sind nun ganz anders und es entsteht viel Neues. Wir kümmern uns umeinander und entdecken dafür neue Wege.
- Ich kann mich ständig über die aktuellen Corona-Dinge informieren und ich habe kaum noch einen Sinn frei für die bisherigen Sorgen und Probleme unserer Welt, obwohl sie alle auch noch da sind, nach wie vor.

Jetzt gehen wir auf Karfreitag und Ostern zu. Ohne gemeinsam erlebte Gottesdienste, ohne die vertrauten Feiern, ohne Familienbesuche, ohne Geselligkeit. Aber mit der Nachricht, der besonderen Botschaft beider Tage und der Ereignisse, für die sie stehen.
Ich bleibe hängen an einigen Zeilen aus einem Passionslied von Paul Gerhard:
„Wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein,
so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein!“

In diesem Jahr werde ich gefühlsmäßig nicht so schnell den Karfreitag „überspringen“ und beim schönen Osterfest landen. Die unwirkliche Wirklichkeit hält mich fest bei den Sorgen, den aktuellen und den zukünftigen, die sich schon abzeichnen. Diese seltsame Realität kostet mich Energie, weist mich hin auf die vielen neuen Opfer und Betroffenen.

In diesem Jahr möchte ich mich besonders „festmachen“ an dem Gott, der den Weg Jesu mitgeht und sich einlässt auf die Tiefen, hineingeht in die Abgründe und in das Sterben. Der Gott, der sich mit Jesus den Ängsten und aller Pein aussetzt.
Er sagt: Ich bin da. Ich weiche nicht aus. Ich halte es aus – mit euch, mit dir.
In diesem Jahr möchte ich mich besonders „festmachen“ an dem Gott, der „kraft seiner Angst und Pein“ in der Auferstehung Jesu das Leben neu schafft, der selbst einsteht und aufsteht für das Leben mitten in unserer unwirklichen Wirklichkeit.

Aushalten und Aufstehen.
Das bedeutet: Realistisch sein. Die Dinge ansehen und annehmen, wie sie jetzt sind.
Aushalten und Aufstehen. Weder mit Fatalismus noch mit Panik. Die Bibel würde das wohl „nüchtern und wachsam“ nennen.

 

Aufstehen – für das Leben:

Aufeinander achten; einander beistehen. Wunderbar, wie viele Menschen das jetzt ganz praktisch tun: In den Altenheimen, in den Krankenhäusern, an so vielen Orten! Und auch in den Kirchengemeinden und anderswo in unseren Städten. Trotz vieler Sorgen, Angst, Pein und Tod.


Aushalten und aufstehen für das Leben:

Trotz all der schwierigen Prognosen über die wirtschaftlichen Folgen zuversichtlich und offen nach vorne schauen. Vielleicht mit den Worten Paul Gerhards: „Reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein.“


Aushalten und aufstehen:

Unseren Blick nicht bannen lassen allein von unseren eigenen Sorgen.

Denn wie geht es weiter im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos? Was geschieht jetzt in Syrien? Wo sind die Millionen Tagelöhner in Indien gelandet? Wie geht es unseren Partnern in Kenia?

Aufstehen:
In der „Zeit“ habe ich heute zum Thema Beten diese Sätze eines 6-jährigen Mädchens gelesen: „Natürlich hilft beten! Wie soll der liebe Gott einen denn sonst hören?“

Ich wünsche Ihnen/Euch allen in der Karwoche und zu Ostern Gottes Segen.
Seine Liebe, seine Hoffnung, sein Glaube möge auch uns erfüllen.

Jürgen Buchholz
Superintendent Kirchenkreis Niederberg
09.04.2020